Wie Sie Mundgeruch vermeiden können

So ziemlich jeder Mensch wird schon einmal Mundgeruch gehabt haben, denn dessen Ursachen sind sehr vielfältig. Oft rührt der üble Atem schlicht von bestimmten Lebens- oder Genussmitteln und ist fast so schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist. Aber man schätzt, dass doch mehr als jeder Vierte unter häufigerem Mundgeruch leidet. Die gute Nachricht: Es ist recht einfach, etwas dagegen zu tun.

Probleme mit Mundgeruch

Wer tatsächlich häufiger unter Mundgeruch (Halitosis bzw. Halitose) leidet und sich dessen auch bewusst ist, hat‘s oft schwer: Die Befürchtung, andere könnten den schlechten Atem riechen, lässt einen Abstand halten und unsicher werden. Gerade auch in Partnerschaften und intimeren Situationen kann Mundgeruch zudem zu Problemen führen. Wer hingegen gar nicht weiß, dass er Mundgeruch hat, wäre vielleicht manches Mal froh, wenn aufmerksame Zeitgenossen einen dezenten Hinweis gäben. Aber für viele ist ein solches Thema schlicht tabu – vielleicht auch, weil man den Betroffenen nicht zu nahe treten will.
Sofern keine ernsthafte Erkrankung vorliegt, ist es in den allermeisten Fällen gar nicht schwer, den schlechten Atem abzustellen und mit ein wenig Gewissenhaftigkeit und Vorsorge wieder glücklich an der Gemeinschaft teilzuhaben. Oft reichen schon eine leichte Umstellung der Ernährung und einige einfache hygienische Maßnahmen aus. Dazu liefert dieser Beitrag viele praktische Tipps. Aber auch, wenn die Gründe für Mundgeruch vielleicht doch tiefergehend sind, haben wir wertvolle Ratschläge zur Hand. Zunächst aber wollen wir uns anschauen, welche vielfältigen Gründe es für Mundgeruch geben kann.

Wie entsteht Mundgeruch?

Unsere Mundflora ist im Normalfall ein perfektes Zusammenspiel von aeroben und anaeroben Bakterien. Die anaeroben Bakterien sind diejenigen, die keinen Sauerstoff benötigen. Kein Wunder, dass sie sich deshalb nicht nur auf unserer Zunge, sondern auch in schwer zugänglichen Bereichen unserer Mundhöhle sehr wohlfühlen. Die Zahnzwischenräume sowie die Übergänge zwischen Zahn und Zahnfleisch sind für sie geradezu Urlaubsparadiese. Denn diese Bakterien ernähren sich gern von genau dem, was dort allzu oft hängenbleibt: die Essensreste. Mit einer besonderen Vorliebe für Eiweiße und zuckerhaltige Lebensmittel genießen Sie Fleisch und Fisch ebenso wie Milchprodukte und Süßigkeiten. Aber auch Blut und Zellreste werden von ihnen zersetzt. Je mehr von all dem zur Verfügung steht und je länger diese Nahrung im Mundraum vorhanden ist, desto schneller vermehren sie sich – und setzen als Fäulnisbakterien dabei unangenehm riechende Schwefelverbindungen frei. Wissenschaftler kennen rund 300 unterschiedliche Bakterienarten in unserem Mundraum und im Rachen. Immerhin 80 davon bilden ein Team von Profis, das sich mit der Zersetzung von Eiweiß beschäftigt.
Nun kann man schlecht einfach damit aufhören, zu essen, nur um diese Zersetzungsprozesse zu unterbinden. Aber wer weiß, dass Reste an schwer zugänglichen Stellen mitverantwortlich sind für eine schnelle Bakterienvermehrung, der ist mit einer gut durchdachten Mundhygiene schon sehr gut beraten. Bei der Mundhygiene gilt es im Zusammenhang mit Bakterien, besonders auf folgende Dinge zu achten:

Tipps gegen Mundgeruch

  • Reinigen Sie regelmäßig, am besten täglich am Abend, Ihre Zahnzwischenräume. Dazu eignen sich zum Beispiel Zahnseide, unterschiedlichste im Handel erhältliche Bürstchen (Interdentalraumbürsten) oder Mundduschen.
  •  Vermeiden Sie Zahnbelag, indem Sie Ihre Zähne wirklich regelmäßig putzen. Ideal ist es, dies vor dem Schlafengehen, nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen zu erledigen.
  • Benutzen Sie am besten eine elektrische Zahnbürste.
  • Wenn Sie Zahnstein haben, lassen Sie diesen unbedingt bei Ihrem Zahnarzt professionell entfernen.
  • Überhaupt sollten Sie die professionelle Zahnreinigung ernst nehmen und zweimal im Jahr hierzu Ihren Zahnarzt aufsuchen. Denn Sie können noch so gut und viel putzen, wie Sie wollen: Viele Stellen sind für Sie schlicht nicht erreichbar!
  • Wenn Sie Zahnersatz tragen, achten Sie bitte stets auf eine gründliche Reinigung.
  • Die Zwischenräume bei nur locker sitzenden Kronen oder Brücken sind ebenfalls ein Zufluchtsort für anaerobe Bakterien. Lassen Sie einen solchen Zahnersatz überprüfen und gegebenenfalls anpassen.
  • Zahnfleischentzündungen sollten Sie behandeln, denn sie unterstützen das Entstehen von Mundgeruch.
  • Gerade Menschen mit Parodontose sollten darauf achten, dass die Zahnfleischtaschen behandelt und in regelmäßigen Intervallen geprüft werden.
  • Beugen Sie Karies vor! Der regelmäßige Besuch Ihres Zahnarztes hilft zudem, anfällige kariöse Stellen Ihrer Zähne ausfindig zu machen und professionell zu versorgen.
  • Gerade auf dem Zungenrücken setzen sich viele Bakterien ab. Wissenschaftler sind der Auffassung, dass fast zwei Drittel der Bakterien sich dort direkt nach dem Essen ans Werk und damit an die Zersetzung von Lebensmittelresten machen. Ein sogenannter Zungenschaber (auch Zungenreiniger genannt) bietet wirksame Hilfe, den Zungenbelag zu entfernen und diese Bakterien abzutragen.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser, um zum einen Ihren Speichelfluss in Gang zu halten und zum anderen den Abfluss von Bakterien in Richtung Verdauungstrakt zu fördern.
    Mit diesen Maßnahmen können Sie bereits ganz entscheidend Einfluss auf ein gut funktionierendes Gleichgewicht der verschiedenen Bakterienarten in Ihrer Mundhöhle nehmen und die Anzahl der geruchsbildenden Bakterien zugleich wirksam eindämmen.

In mehr als 4 von 5 Fällen
 beendet bereits eine verbesserte Hygiene
 den Mundgeruch

Krankheits- und stoffwechselbedingten Mundgeruch erkennen

Auch wenn weit mehr als 80 Prozent der Fälle von Mundgeruch auf Probleme im Mund- und Rachenraum zurückzuführen sind und somit auf relativ einfache Art und Weise bekämpft werden können, gibt es doch auch Ursachen, die eine tiefergehende Betrachtung notwendig machen.
Schon vereiterte Nasennebenhöhlen oder Mandelentzündungen können unseren Atem negativ beeinflussen, auch Lungeninfektionen können ein Grund für Mundgeruch sein. Ebenso können eine unpassende Ernährung oder zu hoher Stress auch zu einem übersäuerten Magen und damit zu üblem Atem führen. Auch Diabetes (Zuckerkrankheit) und Nieren- oder Lebererkrankungen kommen als mögliche Ursache infrage. Und noch einmal zurück zum wichtigen Speichelfluss, der ja ebenfalls Bakterien „entsorgt“: Bestimmte Medikamente können zu geringerem Speichelfluss und damit zu einem trockenen Mund führen. Auch dies unterstützt die zersetzenden und Fäulnis bildenden Bakterien. Das Phänomen kennen wir vom Aufstehen am Morgen: Hier kann es schon mal zu unangenehmem Geschmack im Mund und zu Geruch kommen. Werfen Sie also mal einen Blick auf die Beipackzettel Ihrer Medikamente. Gerade Blutdrucksenker und Antidepressiva reduzieren die Speichelproduktion. Auch Schnarcher haben oft einen trockenen Mund, da er während des Schlafs häufig geöffnet ist und die Atemluft die Feuchtigkeit verdunsten lässt.
Da aber all diese Phänomene etwas seltener vorkommen, lohnt es sich immer, zunächst mit dem Zahnarzt zu reden. Und bitte: Entwickeln Sie bloß keine falsche Scham oder unnötige Ängste, sondern vertrauen Sie Ihrem Zahnarzt, denn er kann schnell klären, ob zahnmedizinischer Behandlungsbedarf besteht. Kann er die häufigsten Ursachen, wie eine mangelhafte Mundhygiene, allerdings ausschließen, macht es Sinn, z. B. den Hausarzt oder einen Facharzt für HNO- oder innere Medizin um Rat zu bitten.

Die Natur den Mundspülungen vorziehen

Im Handel gibt es eine Vielzahl antibakterieller Mundspülungen (bitte nicht mit Mundwasser verwechseln, welches den Mundgeruch höchstens übertönt, ansonsten aber unwirksam ist). Was viele nicht wissen: Eine antibakterielle Mundspülung geht nicht nur gegen die „schlechten“ Bakterien vor, sondern töten auch die „guten“ ab und bringt so unsere Mundflora aus dem Gleichgewicht. Deshalb gilt: Vorsicht beim Einsatz von Mundspülungen! Sie sollten von einer dauerhaften Anwendung antibakterieller Mundspülungen absehen.
Ganz anders verhält es sich mit Chlorophyll: Dieser natürliche Wirkstoff entstammt den grünen Pflanzenblättern und verfügt über geruchsneutralisierende Eigenschaften. Denn Chlorophyll hat die Eigenschaft, die emsige Arbeit von Fäulnisbakterien in der Mundhöhle zu reduzieren. Chlorophyll ist in Form von Dragees zum Einnehmen erhältlich.
Auch Kaugummis können mitunter sinnvoll sein, um Mundgeruch zu bekämpfen. Greifen Sie dann aber in jedem Fall auf zuckerfreie Zahnpflege-Kaugummis mit Xylit zurück. Xylit ist ein natürlicher Zuckeralkohol, wie er zum Beispiel auch in Gemüse vorkommt. Dessen Wirkung gegen Karies konnte schon in den frühen 70er-Jahren an der Universität Turku (Finnland) in zwei klinischen Studien nachgewiesen werden. Kariesbakterien können Xylit nicht verstoffwechseln und sterben ab. Zusätzlich sind solche Zahnpflege-Kaugummis tatsächlich in der Lage, zumindest einen Teil des noch weichen Zahnbelags zu entfernen. Zudem regt das Kauen von Kaugummis die Speichelproduktion an, was ebenfalls gut für ein gesundes Gleichgewicht in der Mundhöhle ist.

Zusammenfassung: Was ist bei Mundgeruch zu tun?

Nicht nur visuell sorgen reine Zähne und ein gesundes Zahnfleisch für ein rundherum gutes Gefühl. In den meisten Fällen sind sie auch Garant für einen frischen Atem. Sollte sie dieser häufiger einmal verlassen, sollten Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen, der schnell und einfach klären kann, ob mangelhafte Mundhygiene oder Entzündungen dafür verantwortlich sind. Dann lassen sich weitere Behandlungsschritte besprechen. In manchen Fällen sorgen, wie wir gesehen haben, aber auch andere Gründe für einen nicht gut riechenden Atem. Hier helfen zum Beispiel Ernährungsumstellungen oder eine Betrachtung eventuell eingenommener Medikamente und ihrer Nebenwirkungen (Reduzierung des Speichelflusses). In wenigen Fällen können auch Erkrankungen anderer Organe vorliegen, die dann mit einem entsprechenden Facharzt abzuklären sind.

5. April 2019 in Allgemein

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